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Henri Goetschy (1926–2021) Ein grosses elsässisches Herz schlägt nicht mehr

Dernière mise à jour : 14 sept. 2021

Von Edgar Zeidler in der Elsass-Gazette Nr. 153 Juli 2021 - Kulturverein Elsass-Freunde Basel Association culturelle les amis de l’Alsace Bâle


Mitte April ist Henry Goetschy im Alter von 94 Jahren verstorben. Im Vor[1]wort zu seinen 2015 publizierten Memoiren, Avant qu’Alsace ne meure… et moi avec (Be[1]vor das Elsass stirbt… und ich mit ihm), schreibt Delphine Wespiser, Miss France 2011, dass Goetschy der elsässische Politiker sei, der sich am meisten für die Verteidigung des elsässischen Erbguts engagiert habe. Und zwar in ganz unterschiedlichen Bereichen wie die Restaurierung der Hohlandsburg und des Morimont, die Einführung der „brigades vertes“, die Wiederansiedlung der Störche, die Schaffung zweisprachiger Schulklassen oder die Gründung des „Écomusée“.

Goetschy sah es als seine Aufgabe an, die Elsässer aufzurütteln. Er zitiert dabei André Weckmanns Gedicht E Schrej: „E Schrej / ìsch s letscht / wàs d’r ewri blit / vor àss de s Schnüfe uf[1]stecksch / wann de di làngs àm Rhin ànnestrecksch / un d Vogese di / mìt roschtigem Laub züedecke / e Schrej.“

Wie Weckmann wurde Goetschy zwangseingezogen. Mit 17 diente er in Pforzheim als Luftwaffenhelfer. Auch er konnte flüchten und sich 70 Tage in Altkirch verstecken, bis seine Heimatstadt am 21.11.1944 befreit wurde. 1959 etabliert er sich als Tierarzt in Soultz. Sein Onkel überzeugt ihn, sich in der Politik zu engagieren. 1964 ist er bereits Generalrat unter der Flagge der christlich-demokratischen MRP (Mouvement Républicain Populaire). 1973 wird er zum Präsidenten des Generalrats des Oberelsass gewählt, eine Funktion, die er 15 Jahre lang ausübt. Fast anekdotisch erscheint seine Tätigkeit als Vizepräsident des elsässischen Regionalrats (1992–98), wo er doch 18 Jahre.

(1977–1995) als Senator im „Palais du Luxembourg“ tagte. Ich habe Henri Goetschy einige Male getroffen und ihn als charismatische Persönlichkeit mit starkem Willen und Charakter in Erinnerung. Und ganz besonders geschätzt habe ich, dass man sich auf sein Wort verlassen konnte. Seine Liebe zum Elsass war tief und unverfälscht. Eine grosse Enttäuschung bedeutete für ihn das Scheitern des „Conseil d’Alsace unique“, eine Idee, die er bereits 1983 an den „Journées d’octobre“ in Mulhouse geäussert hatte. 2014 protestiert er noch mit uns gegen die Gründung des „Grand Est“ vor der „Préfecture“ in Colmar. Leider erlaubte es ihm sein Gesundheitszustand nicht mehr, we[1]nigstens die Gründung der CEA (Collectivité européenne d’Alsace) mitzuverfolgen. Diese tiefe Liebe zu unserem „Land[1]la“ verbindet uns. Sicher ein Grund, warum ich mir fürs Elsass mehr Persönlichkeiten vom Kaliber eines Henri Goetschy gewünscht hätte. Aber vielleicht treten nun Andere in seine Fussstapfen.

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